Unbekannte verschicken Fake-AfD-Ehrenmitgliedschaften an Genossinnen

Am 10.02.2017 organisierte der Fachschaftsrat Philosophie eine Veranstaltung „Zur Kritik des Antirassismus“. Der umstrittene Vortrag Clemens Nachtmanns mit ca. 80 Besucher*innen an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, der schon im Vorfeld Kontroversen auslöste (Ankündigungstext Fachschaft Philosophie, Artikel Oldenburger Rundschau, Stellungnahme Fachschaft Philosophie, Stellungnahme Autonomes Feministisches Referat) hat ein Nachleben gezeigt. Jetzt wurde an uns herangetragen, dass zwei Besucherinnen im Nachhinein für ihr bloßes Interesse an der Veranstaltung eingeschüchtert wurden. Ihnen wurden gefälschte Urkunden über eine Ehrenmitgliedschaft in der AfD (siehe Bild) inklusive angeblicher Anschreiben zugesandt, in denen dezidiert auf das Interesse an der Veranstaltung Bezug genommen wird. Angesichts des offensichtlich gephotoshopten Designs und aufgrund des Inhalts kann davon ausgegangen werden, dass es sich um einen Fake handelt.

Die Briefe wurden postalisch unter der Verwendung von Klarnamen an Privatadressen, die nicht öffentlich zugänglich sind, verschickt. Im Anschreiben heißt es: „Sehr geehrte Frau x, wir sind bereits vor einiger Zeit auf Sie aufmerksam geworden.“ Was im ersten Moment als schlechter Scherz erscheinen mag, ist spätestens beim zweiten Blick als psychische Gewalt und Diffamierung zu verstehen. Die bisher bekannten, betroffenen Personen, die diese Schreiben nach Hause bekommen haben, sind Frauen. Beide setzen sich seit Jahren kritisch-analytisch mit Postnazismus, Patriarchat und Gesellschaft auseinander.

Wer auch immer die konkreten Verfasser*innen dieser Texte sind, die Message ist klar: Wir haben euch auf dem Schirm, wissen wo ihr wohnt und was ihr macht. Angesichts des detailreich und sorgfältig erstellten Schreibens, ist davon auszugehen, dass sich die Täter*innen ihres Handelns bewusst sind. Auswirkung der Einschüchterungsstrategie ist auch, dass es einen Unsicherheitsmoment in der eigenen Wohnung für die betroffenen Frauen bedeuten könnte.

Wir solidarisieren uns mit den Betroffenen dieser Gewalt und verurteilen diese Tat. Diese Solidarität kann gegen ein politisches Klima helfen, in denen Debatten, Kontroversen und Streitigkeiten nicht mit inhaltlichen und offenen Diskussionen, sondern mit Androhungen, Angriffen und Diffamierungen geführt werden. Insbesondere Kontexte, die sich als emanzipatorisch und kritisch verstehen, dürfen solche Methoden nicht unwidersprochen lassen. Sollte sich eine kritische Gesellschaftsanalyse nicht diese mit all ihren Widersprüchen zum Gegenstand machen? Dazu gehört auch den Täter*innen die klare Antwort auf ihr Schreiben zu vermitteln: politische Kontroverse: ja. Auf diese Art: niemals.

Wir senden Solidarität zu den Betroffenen.

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